Auf ein Wort

Über unsere Interessengemeinschaft „Lebendiges Seifhennersdorf“ oder:
Wie kommt das eigentlich, wenn sich Menschen finden und etwas bewegen wollen?
Wie ist das eigentlich, wenn man weit hergereist hier in Seifhennersdorf versucht anzukommen und wohin mit dem Herzblut, wenn man nicht weiß wie es weitergehen soll.

 

Es ist der Urtrieb im Menschen, der einen überleben lässt – bei manchen stärker ausgeprägt, bei manchen weniger. Es ist die Gesamtheit der Herde, die es ermöglicht die Schwachen aufzufangen und die Starken rennen zu lassen. Als Symbiose betrachtet gibt der Passive dem Aktiven im Moment des Sich-Fallenlassens die nötige Stütze um sich regenerieren zu können und der Aktive schützt den Passiven dafür egal was auch kommen mag. Es ist die Einheit der Gruppe auch wenn sie unterschiedliche Ansichten hat, die es zulässt jeden nach seinen Fähigkeiten agieren zu lassen.

 

Dieser Kreislauf funktioniert nur, wenn der nötige Respekt gegeben ist. Wenn ich meinem Gegenüber Raum zur Entfaltung lasse und umgekehrt. Dieser Kreislauf funktioniert nur mit Offenheit und Ehrlichkeit. Und so funktioniert auch unsere Interessengemeinschaft „Lebendiges Seifhennersdorf“. Wir sind ein bunt gemischter Kreis, keine Sekte, kein Verein, wir sind gedanklich frei und beweglich. Wir sind unzufrieden mit der Gesamtsituation, mit der Negativberichterstattung in der Zeitung und im Fernsehen, wir wünschen uns Transparenz in der Führung Seifhennersdorf`s und auch ein Gehör für uns. Wir wollen nicht mehr in leere Schaufenster schauen und mit bald jeder 2. Immobilie als Spekulationsobjekt in Verwahrlosung leben müssen. Wir möchten nicht mehr, dass die Dunkelheit die Grenzkriminalität begünstigt.

Und weil Schluss sein soll mit der Talfahrt, formuliere ich es für die Zukunft positiv:
Wir möchten aufatmen und stolz sein auf unseren Ort. Er soll für uns ein Glanzpunkt sein und auch unseren Besuchern und Gästen gefallen. Sie sollen nach Hause fahren und Ihren Freunden daheim erzählen „Da müsst Ihr mal hinfahren.“ Unsere ältere Generation und auch die Kinder sollen sich sicher fühlen. In dem ein oder anderen Geschäft möchten wir gerne einkaufen gehen können – egal ob bei Tag oder bei Dunkelheit. Vielleicht noch einen Kaffee trinken in dem Café um die Ecke oder abends noch in den Biergarten auf ein Bierchen oder Gläschen Wein. Wir möchten unsere Nachbarn kennen und mit ihnen leben. Inmitten des Zittauer Gebirges, dieser wildromantischen Naturschönheit, versorgt alt werden können.

Wie wirkt es auf jemanden, der hierher kommt und versucht Fuß zu fassen, anzukommen? Der sein Erspartes in eine Immobilie steckt und zu seinem Partner sagt: Du bist Seifhennersdorfer, dann gehen wir auch nach Seifhennersdorf und nicht nach Oderwitz und nicht nach Neugersdorf. Ich sage es Ihnen: es wirkt gespalten, zerteilt und planlos!

Man wird seitens der Kitas und Schule herzlich begrüßt, die Kinder angesprochen und aufgenommen. Die Betreuung ist überwältigend und im Ort kennt man sich auch recht schnell. Die Qualität der Bildungseinrichtungen überdurchschnittlich, das Angebot für Kinder liebevoll abgestimmt. Doch der Ort an sich, die Gebäude stehen still. Außer Hochwasserschädensanierung kein merklicher Fortschritt. Der Einzelhandel am Ausbluten, fehlende Bevölkerungsschicht im mittleren Alter und außer den Gruppen aus dem Querxenland kaum neue Gesichter zu sehen. Die Stimmung in Bezug auf die Zukunft frustriert. Wenn ich mir etwas kaufen möchte oder muss, endet es meistens mit einem Einkauf im Internet.

auf_ein_wort

„Ja und jetzt?!“ Einige frustrierte Bürger haben sich zusammengesetzt und sich genau das gefragt. Wir beschlossen nach gerade einmal 2 Treffen im September die Findungsphase zu beenden und gemeinsam zu handeln: Am 7. Oktober starteten wir unsere Interessengemeinschaft zur Ortsverschönerung. In unserer Interessengemeinschaft kommt jeder zu Wort, jeder kann sich einbringen, seine Ideen, was er gut findet, was er nicht gut findet, wie etwas anders laufen könnte. Wir finden gerade gemeinsam den Weg aus der Talfahrt und es tut so unglaublich gut, zu erleben wie sich jeder einzelne einbringt. Wie sich vor Arbeit nicht gescheut wird und sich Mitbürger melden und sagen: Ich habe diese Idee und ich kümmere mich darum und berichte über den Fortschritt. Völlig unkompliziert und in gegenseitigem Respekt läuft das ab.

Unsere genauen Programmpunkte und Inhalte sind bereits vielseitig zitiert worden und können auch noch einmal auf unserer Internetseite http://www.lebendiges-seifhennersdorf.de nachgelesen werden. Wir arbeiten konzeptionell und gezielt und erfassen die Stadt in seinem Ist-Zustand und wo wir hin möchten in Berücksichtigung wie sinnvoll ein Ziel überhaupt ist. Als Hilfestellung dienen uns nicht nur die bereits bestehende, noch nicht verwirklichte durch ein externes Planungsbüro entwickelte Stadtplanung von 2006, ein 85-seitiges Konzept zur Ortsverschönerung, welches unter prozentueller Befragung der Vereine, der Stadtverwaltung, der Mitbürger aufgesetzt wurde. Nein, wir befragen auch die Bürger, wir beschäftigen uns mit den Einzelnen und fragen nach: Wie sehen sie das? Wie geht es Ihnen? Wo sehen Sie uns jetzt und wo in 10 Jahren? Was sind Ihre Anliegen und Bedürfnisse? Darüber hinaus möchten wir mit Leutersdorf, Spitzkunnersdorf, Ebersbach-Neugersdorf, Großschönau in Kontakt treten und eine gute Nachbarschaft pflegen. Wir sollten uns auch mit der Tschechei befassen.

Was ich weiß, und das ist nicht nur auf meine Südtiroler Optimistenwurzeln zurückzuführen, ist, dass es immer einen Weg gibt und wenn sich keiner finden lässt, dann muss man nun in der Gemeinschaft einen neuen Weg erschaffen!

In diesem Sinn, herzlichst, Ihre Brigitte Röthig

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