Bruno Paul

 

Dirk Herrmann: Vortrag und Bilderfolge zu Bruno Paul

Vortrag im Januar 2017

Zusammenfassung und Gedanken von Jürgen Cieslak

In kurzen Worten und treffenden Bildern breitete Dirk Herrmann das Leben und Werk Bruno Pauls aus.
Er wurde in Seifhennersdorf, in der Warnsdorfer Str. 4, am 19.01.1874 geboren. Er erlebte hier seine Kindheit im Haus vom „Eisen-Paul“, einem Eisenwarenhändler. Eine Tafel am Haus nennt ihn den „Wegbereiter“, was seiner Bedeutung, wie später im Vortrag ausgeführt, nicht gerecht wird.
Dann wurde er zur weiteren Schulbildung in die Kreuzschule nach Dresden geschickt. Nach dem Abitur studierte er in dem Friedrichstädter Lehrerseminar.

Hier orientierte er sich nun selbst neu mit einem weiteren Studium in der Kunstakademie Dresden, das er später in München fortsetzte.
Hier entstanden über 600 Blätter für die Satirezeitschrift „Simplicissimus“ – eine ungeheure Produktivität, die er sein ganzes Leben durchhielt. Er war ein streitlustiger junger Mann, wie er das wilhelminische Deutschland mit seinen Besitzständen, in seiner Prüderie, Borniertheit und Militarismus bloßstellte, was ihn schon damals berühmt machte.

Trotzdem berief ihn Kaiser Wilhelm zwei zum Direktor der „Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums Berlin“, der er (umbenannt) bis 1932 vorstand. „Nebenbei“ war er erfolgreicher und preisgekrönter Teilnehmer in Weltausstellungen, war maßgeblich in der Kunst- und Architektenszene in Deutschland tätig, wurde Mitglied der preußischen Kunstakademie, und, und, und. Als Architekt plante und baute er Bauten in ganz Deutschland, in Prag, in Berlin z.B. baute er das erste Hochhaus der Stadt.

In dieser Zeit, als er in Deutschland, den USA und Indien wirkte, wollte Seifhennersdorf ein neues Rathaus bauen. Dafür nahm er sich Zeit und beteiligte sich am Architektenwettbewerb. Wir wissen, dass Prof. Wilhelm Jost aus Stuttgart und nicht Bruno Paul von der Warnsdorfer Str.4 den Zuschlag erhielt. Obwohl er sich offenbar sehr ärgerte, hat er in einem Brief, den Herrmann uns im Bild vorstellte, seine Mitarbeit in Bauausführung und Ausstattung angeboten. Was Bürgermeister Fichtner klug annahm. Und ihm später auch die Gestaltung des Mahnmals der „Helden“ von Seifhennersdorf übertrug.

Paul verlor ab 1932 nach und nach alle seine Funktionen, zuerst die Leitung der Kunsthochschule.
In Seifhennersdorf erregte das durch und durch pazifistische Denkmal Unwillen. Die Ausstattung vom Rathaus blieb aber erhalten. Erst nach 1945 wurde sie nach und nach vernichtet. Vielleicht konnte dieses oder jenes Stück, so ist heute die Hoffnung, gerettet werden. So z.B. die Stühle in der Friedhofshalle.

Wer kann Auskunft über die verbliebenen Stücke geben?

Warum die totale Ablehnung?
– War es provinzielle Ignoranz?
– Oder war es die offizielle Architektur, die nach 1952 im Zuckerbäckerbaustil bauen musste, und Bauhaus und die Moderne, so auch Paul, als „dekadent“ diffamierte?
– Oder war es schlicht die Wut über den „Architekten des Großbürgertums“?

So suchen wir nun die Reste unseres bedeutendsten Ortskindes in Seifhennersdorf. Ein „Global Player“, der in seiner Heimat mit Nichtachtung bestraft wird. Oder disqualifizieren wir uns in dieser Ignoranz selbst?

Paul wurde auch als Innenarchitekt berühmt. Dirk Herrmann zeigte uns, wie bei „Kunst und Krempel“ ein Stuhl mit 15000,-€ dotiert wurde. Er gestaltete Kreuzfahrtschiffe, aber er gestaltete auch Wohnstuben. Als maßgebliches Mitglied des „Werkbundes“ war es sein Anliegen, die Alltagswelt der breiten Bevölkerung kunstvoll zu ermöglichen. Folgerichtig entwickelte er Anbaumöbel. Und nach 1933 wurde in Dresden-Hellerau in den Deutschen Werkstätten Möbelgestaltung sein neuer Schwerpunkt.
Bruno Paul starb hochbetagt 1968 in Berlin. Wir wissen nicht, ob er zu DDR-Zeiten noch einmal Seifhennersdorf besuchte.
Das nächstgelegene Haus aus seiner Planung steht in Dresden das Haus der Architekten in der Goetheallee 37
oder in Prag die Ungarische Botschaft, Českomalínská 20, Prag 6 – Bubeneč, 160 00.

Jürgen Cieslak, 26.1.17

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