Interview mit Dieter Brüchner (SPD)- stellv. Bürgermeister a. D.

Herr Brüchner, sie sind jetzt 84 Jahre alt und schon einige Zeit nicht mehr im Stadtrat tätig. Wie geht es Ihnen?

D.B.: Wenn man so von den kleinen Wehwehchen des Alters absieht, eigentlich ganz gut.


Was hat Sie zu dem Interview bewogen?

D.B.: Die Statistik der SZ, dass in Seifhennersdorf die unglücklichsten Sachsen leben sollen, beschäftigt mich schon sehr. Was soll denn bei uns von den Voraussetzungen anders sein, als in unseren Nachbargemeinden? Wie nahe an der Wahrheit ist denn so eine Erhebung? Inzwischen ist es ja leider eine Tatsache geworden, dass nicht nur die Jugend unserer Stadt den Rücken kehrt, sondern auch viele Ältere uns verlassen, weil sie mit den Lebensbedingungen hier in Seifhennersdorf nicht mehr zufrieden sind. Schon länger als 15 Jahre bemühen wir uns um altersgerechtes Wohnen. Ich habe keine Kenntnis davon, dass sich daran etwas geändert hat. Auch in den 12 Jahren Amtszeit von Frau Berndt als Bürgermeisterin hat sich nichts Spürbares für die Seifhennersdorfer getan. Diesen Fakt muss man einfach zur Kenntnis nehmen. Am Stadtrat selbst kann es auch nicht liegen. Die Fraktion der UBS verfügt über eine Mehrheit im Stadtrat um ihre Beschlüsse mit der Bürgermeisterin durchzusetzen, aber kurioserweise ist die Bürgermeisterin einmal Mitglied der UBS und dann wieder „parteilos“. Da wären ein paar klare Worte für den Seifhennersdorfer Wähler hilfreich.

Wir haben ja jetzt die Chance mit genügend Kandidaten einen neuen Stadtrat zu wählen. Seifhennersdorf hat eine zweite Chance bekommen und ich hoffe sehr, die Seifhennersdorfer gehen auch zur Wahl. Nur wenn der neue Stadtrat auch von den Bürgern unterstützt und ernst genommen wird, können wir alle wieder ein besseres Bild abgeben.


Die Wahl wird am 9. November stattfinden, ist das ein besonders Datum für Sie?

D.B.: Am 9.11.89 wurde die innerdeutsche Grenze wieder geöffnet. Das war der erste Schritt dazu, das „zusammenwächst was zusammen gehört“, wie Helmut Schmidt es auf den Punkt brachte. Ich wünsche mir, dass auch in unserem Stadtrat die „Seifhennersdorfer Idee“ wieder zusammenwächst und auch die SPD wieder einen Beitrag dazu leisten kann. Darüber würde ich mich sehr freuen und somit wird es hoffentlich ein guter Tag für unsere Stadt.


Herr Brüchner, ich danke Ihnen für Ihre offenen Worte. So wie die CDU sich über jeden neuen Mitstreiter freut, wünsche ich auch Ihnen und der SPD, dass sich junge Seifhennersdorfer finden, die unseren Parteien vor Ort ein Gesicht geben und unsere Demokratie mit Leben erfüllen. In der Festrede zum 40-jährigen Jubiläum der Verleihung des Seifhennersdorfer Stadtrechtes sagte der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, „Demokratie wächst von unten oder gar nicht“. Das sollten wir bedenken und uns hinter die Ohren schreiben. Ich danke ihnen für das Gespräch.

 

Die Fragen stelle Herbert Runge / Seifhennersdorf im Oktober 2014

2 Antworten

  1. Wolf-Dieter Holz sagt:

    Ja, ich kann nachvollziehen, was da in der SZ geschrieben steht. Und ich gehöre zu den älteren Bürgern, die abstimmen werden. Nicht bei der Wahl, sondern mit den Füßen. Bei sich bietender Gelegenheit werden wir Seifhennersdorf verlassen.

    Seit mindestens 6 Jahren lebe ich an einer Dauerbaustelle. Entweder ist gerade Winter oder die Straße ist gesperrt. Im ungünstigsten Fall trifft beides zu. Jegliche Proteste verliefen erfolglos. Planung und Rücksichtnahme auf die Anwohner und deren berechtigte Interessen völlige Fehlanzeige. Gerade bin ich mal wieder von der Außenwelt abgeschnitten. Die 5 Bauarbeiter, die mit der Bachmauer beschäftigt waren, haben die Baustelle als tiefes Loch verlassen und sind auf die andere Seite des Hauses gezogen, um dort die gerade gezogene Schwarzdecke wieder aufzureißen und Bordsteinkanten zu setzen. Vor dem Winter wird wohl nichts von beidem fertig werden. Und das hat Folgen. Ich müßte dringend einige Sanierungsarbeiten durchführen. Container für Bauschutt brauche ich nicht bestellen, der kommt ja nicht zu mir. Baustoffe, die länger als 2 Meter oder schwerer als 20 kg sind, werden schon seit Jahren nicht mehr angeliefert. Die Grundstücke sinken nicht nur von Jahr zu Jahr im Wert, sie werden unverkäuflich. Hinzu kommt die ausufernde Kriminalität. Schaden dieses Jahr durch Diebstahl: rund 5000 Euro bei drei Fällen. Die Versicherung hat 3500 Euro übernommen und die Kündigung im Falle weiterer Schäden angekündigt.

    Was soll meine Familie und mich also in Seifhennersdorf glücklich machen? Und warum glauben Sie dass ich glaube, meine Stimme bei der kommenden Wahl würde an den geschilderten Zuständen etwas ändern? Sich woanders niederlassen, noch einmal von vorn beginnen, mag im Alter bitter und hart sein. Es scheint uns die bessere Alternative als der reine Glaube, es werde sich hier etwas ändern.

  2. Nörenberg, Jacqueline sagt:

    Wenn man immer hinnimmt was irgendwelche Leute für einen bestimmen wird man nie zu einem Ziel kommen.Womit nehmen sich einige Menschen das Recht heraus über andere Köpfe hinweg zu entscheiden? Wahlberechtigung? Meinungsfreiheit? Freie Entfaltung der Persönlichkeit? Wo kann man dies noch so leben wie es einst vorhergesehen war?Wie kann man Versprechen von ganz oben geben und es mit dem eigenen Gewissen vereinbaren alle Inhalte davon zu brechen? Dies funktioniert in dem man nur den Kampf nach Macht sieht und stets stur und eigensinnig nach vorn möchte, ohne auch nur einmal an die Menschen um sich herum zu denken und das dazugehörige Städtchen in dem man einst noch Leben hatte und Freude fand.Ich hoffe das noch ein kleiner Funken des Herzens in jedem von uns vorhanden ist, insbesondere bei derer die alles erreichen wollen, damit wieder ein Lächeln in jedem Gesicht der Stadt zu sehen ist.

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